Das Traumazentrum in Berlin Steglitz

Rund um die Uhr stehen sowohl ärztliche Mitarbeiter als auch Pflege- und medizinisch-technisches Personal der Kliniken für Unfallchirurgie, Anästhesiologie, Kardiologie, Neurochirurgie, Thorax-, Gefäß- und Abdominalchirurgie bereit, schwerverletzte Patienten optimal zu behandeln.

Darüber hinaus sind Vertreter aller weiterer Kliniken, die zur Behandlung von spezifischen Verletzungen notwendig sein können, jederzeit abrufbar.

 

 

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Das Traumazentrum

In Deutschland werden jählich über 30.000 Patienten bei Unfällen schwer- und schwerstverletzt - es ist die führende Todesursache der unter 44-jährigen Bevölkerung. Die Behandlung dieser Patienten ist für alle Beteiligten- vom Rettungsdienst über die klinische Versorgung bis hin zur Rehabilitation- eine Herausforderung.

Die Deutsche Gesellschaft für Unfallchirurgie hat die Initiative Traumanetzwerk ins Leben gerufen, um die Behandlung von Schwerverletzten in Deutschland zu verbessern. Durch die Schaffung von regionalen Traumanetzwerken durch Vernetzung von Kliniken auf regionaler Basis sollen die flächendeckenden Versorgungsqualität von Schwerverletzten durch verbesserte Kommunikation, abgestimmte Versorgungsstandards und qualitätsgestützte Kooperation verbessert werden.

Das Traumazentrum am Campus Benjamin Franklin erfüllt alle geforderten Voraussetzungen zur konsequenten Schwerverletztenversorgung und ist als überregionales Traumazentrum im Rahmen des Traumanetzwerkes Berlin auditiert.

Der Grundgedanke ist dabei, nicht die Leistungsfähigkeit einer einzelnen Abteilung herauszustellen, sondern die abteilungsübergreifende Zusammenarbeit in einem hochspezialisierten Team aus Ärzten, Pflegekräften und medizinisch bzw. technischen Assistenten der verschiedensten Fachdisziplinen, Kliniken, Abteilungen und Institute zu erreichen, die für die umfassende Behandlung schwerverletzter Patienten notwendig ist.


Die Notaufnahme am Campus Benjamin Franklin (CBF)

Die Rettungsstelle am CBF verfügt über einen modernst ausgestatteten Schockraum: mit Blutbank, Sonografie- und Röntgeneinrichtung – und integriertem 80-Zeilen Computertomographen (CT). Angegliedert sind außerdem

  • 16 Untersuchungsräume,
  • 3 Operationssäle,
  • 8 Überwachungsplätze mit Kreislauf-Monitoren und
  • eine 10-Betten-Aufnahmestation.

Durch diese Ausstattung kann die Klinik für Unfall- und Wiederherstellungschirurgie in Berlin Steglitz eine genaue bildgebende Diagnostik – und sofort lebensrettende Maßnahmen bei schwerverletzten Unfallopfern (Polytrauma) durchführen.

Das Polytrauma

Als Polytrauma wird eine potentiell lebensbedrohliche Mehrfachverletzung bezeichnet, beispielsweise kombinierte schwere Verletzungen von Kopf, Brust-, Bauchraum, Becken und/oder Extremitäten, wobei eine einzelne oder die Kombination lebensbedrohlich ist. Gut zwei Drittel dieser Verletzungen entstehen als Unfallfolge im Straßenverkehr, der Rest nach Sturz aus großer Höhe, Verschüttung, Einklemmung, Explosion oder anderen selteneren Ereignissen.

In der Versorgung dieser Notfallpatienten ist besonders ein Faktor entscheidend, nämlich die Zeit bis zur Durchführung lebensrettender Maßnahmen. Diese lebensrettenden Maßnahmen beruhen auf allgemein etablierten notfallmedizinischen Prinzipien zur Sicherung der Vitalfunktionen Atmung und Kreislauf, die der Notarzt bereits direkt am Unfallort einleitet. Manche Verletzungen – etwa Zerreißungen der Hauptschlagader oder schwerste Schädel-Hirn-Verletzungen – führen unmittelbar am Unfallort zum Tod. Schwerstverletzte, die das Unfallereignis jedoch zunächst überlebt haben, können bereits in der Akutphase bei Klinikaufnahme im Rahmen der Schockraumversorgung durch geeignete Notfalleingriffe und damit innerhalb der sogenannten "golden hour of shock" gerettet werden. Unter Berücksichtigung des entscheidenden Faktors Zeit liegen in der Schockraumversorgung dabei die Prioritäten in der sofortigen Erkennung und Behandlung von lebensbedrohlichen Verletzungen oder Zuständen ("Treat first, what kills first!"). Neben der Sicherung des Atemwegs und der (Be-)Atmung liegt dabei liegt das Hauptaugenmerk auf der unverzüglichen Kontrolle von akuten kreislaufwirksamen Blutungen, der sofortigen Entlastung von akuten Blutungen und Schwellungen des Gehirns, der schnellen Stabilisierung des Verunfallten für dringliche Operationen, bildgesteuerte Interventionen und intensivmedizinische Behandlungen nach Abschluss der Akutphase. Die bildgebende Diagnostik nimmt hierbei einen unverzichtbaren Bestandteil der initialen klinischen Versorgungsphase ein. Alle relevanten Verletzungen müssen schnell und zuverlässig diagnostiziert werden, die Einleitung lebensrettender therapeutischer Maßnahmen erfolgt ggf. noch während der andauernden bildgebenden Diagnostik. Grundlage des Managements im Schockraum ist ein Behandlungsplan, der nach Prioritäten und Phasen strukturiert ist. Dieser Plan verknüpft stets Diagnostik, Therapie und Evaluation des Verunfallten und verbindet damit das Konzept des Advanced Trauma Life Support (ATLS®) mit den diagnostischen Möglichkeiten der Mehrschicht-Spiral-Computertomografie (MSCT).

Die moderne Schockraumversorgung – State of the Art

Die logische und zeitliche Abfolge der modernen Schockraumversorgung erfolgt nicht zufällig und nach personenspezifischen Neigungen, sondern ist an eindeutige klinische Handlungsleitlinien, sog. Algorithmen, gebunden. Das interdisziplinäre Behandlungsteam besteht aus erfahrenen Fachärzten der Disziplinen Unfallchirurgie, Anästhesie und Radiologie. Dieses Kernteam kann im Bedarfsfalle um zusätzlich notwendige Fachdisziplinen erweitert werde, beispielsweise Allgemeinchirurgie, Gefäßchirurgie, Neurochirurg und Kieferchirurgie. Alle Mitglieder des Traumateams sind dabei mit den grundsätzlichen Entscheidungswegen der Polytraumaversorgung sowie den daraus resultierenden Konsequenzen vertraut. Nur so ist gewährleistet, dass auch komplexe klinische Situationen adäquat bewältigt werden können. Unverzichtbar ist dabei auch die unmissverständliche und direkte Kommunikation zwischen den Teammitgliedern, die eine gemeinsame Sprache voraussetzt: ATLS®!

Nach Eintreffen des Patienten im Schockraum erfolgt parallel zur Übergabe der wichtigsten Informationen durch den am Unfallort behandelnden Notarzt die nach ATLS® klar strukturierte Untersuchung und ggf. notwendige unmittelbare Behandlung festgestellter akuter lebensbedrohlicher Störungen. Mittels wiederholt durchgeführter Re-Evaluation wird der Behandlungserfolg ständig überprüft und eventuelle neu aufgetretene Störungen sofort erkannt und entsprechend ihrer Bedeutung behandelt. Die strukturierte bildgebende Diagnostik (Röntgen, Ultraschall, CT etc.) ist als wesentlicher Bestandteil prioritätenorientiert in das ATLS®-Konzept miteingeschlossen. Im Schockraum werden dabei standardmäßig Ultraschalluntersuchungen des Bauchraums und des Brustkorbs (Pleurahöhlen und Herzbeutel), sowie konventionelle Röntgenaufnahmen der Lunge und ggf. des Beckens angefertigt. Diese erste Akutbehandlungsphase sollte innerhalb von 15 Minuten abgeschlossen sein. Direkt im Anschluss erfolgt die Ganzkörperuntersuchung mittels Mehrschicht-Spiral-Computertomografie, die eine detaillierte Aussage bezüglich aller Verletzungsfolgen erlaubt. Die CT lässt die Dringlichkeit und Reihenfolge der zu versorgenden Verletzungsfolgen festlegen. Auch während der CT werden alle Vitalfunktionen überwacht und laufend re-evaluiert, um neu aufgetretene Störung oder eine Verschlechterung sofort erkennen und unmittelbar behandeln zu können. Der CT kommt dabei eine zentrale diagnostische Bedeutung zu, da eine Vielzahl unterschiedlichster Verletzungsfolgen mit ihr zuverlässig und rasch diagnostizierbar ist und durch kein anderes diagnostisches Verfahren auch nur annähernd ersetzt werden kann. Da die heute verfügbaren, technisch weit fortgeschrittenen CT-Geräte innerhalb von nur 1 Minute die komplette Ganzkörperuntersuchung des Verletzten erlauben, rückt die CT als Untersuchungsverfahren bei der Polytraumaversorgung im zeitlichen Behandlungsablauf nach vorne. Akute lebensrettende Notfalleingriffe und Maßnahmen können auch auf dem CT-Tisch durchgeführt werden. Bei konkurrierenden lebensbedrohlichen Verletzungen ermöglicht erst die CT die Klassifikation und damit chirurgische Bewertung der Verletzungsschwere. Sie unterstützt damit die Entscheidungsfindung bezüglich der Priorität der Notfalleingriffe und schließt die Akutbehandlungsphase im Schockraum ab.

Das Traumanetzwerk der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie

Die Schwerverletztenversorgung ist in Deutschland seit Jahrzehnten von hoher Qualität. Zur weiteren Verbesserung hat sich die Deutsche Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU) die Schaffung eines bundesweiten Netzwerkes zum Ziel gesetzt, welches die Versorgungsqualitäten der einzelnen Kliniken erfasst und eine optimale Nutzung der Ressourcen ermöglichen soll. Etwaige regionale Defizite in der Versorgungsqualität sollen erkannt und behoben werden, so dass jedem Patienten unabhängig von Unfallort und -zeit die bestmögliche Therapie zuteil wird.

Das Traumanetzwerk der DGU setzt sich aus zahlreichen regionalen Netzwerken zusammen. In unserem Einzugsgebiet, zu welchem sowohl der städtische Ballungsraum als auch dünn besiedelte ländliche Regionen gehören, kommt dem Netzwerkgedanken große Bedeutung zu. Gemeinsam mit unseren Partnerkliniken arbeiten wir derzeit intensiv an der Entstehung des Traumanetzwerkes Berlin-Brandenburg.

Entscheidend für die stetige Verbesserung der Versorgungsqualität ist auch die Qualitätssicherung im Rahmen des Traumaregisters der DGU, an welcher unsere Klinik seit Jahren teilnimmt. Die Datenbank, welche seit 1993 besteht, umfasste Ende 2007 über 35.000 Patienten aus 145 Kliniken aus Deutschland und dem europäischen Ausland (Quelle: Jahresbericht 2008). Zusätzlich führt unsere Klinik  eigene experimentelle und klinische Studien zur Schwerverletztenversorgung durch, deren Ergebnisse für die alltägliche Arbeit genutzt werden.