Klinik für Unfall- und Wiederherstellungschirurgie: Rettungshubschrauber Christoph 31 auf dem Landeplatz des Campus Benjamin Franklin

Polytraumaversorgung an der Klinik für Unfallchirurgie

Die Klinik für Unfall- und Wiederherstellungschirurgie der Charité – Universitätsmedizin Berlin am Campus Benjamin Franklin versorgt als zertifiziertes überregionales Traumazentrum täglich Schwerverletzte. Dabei werden Patienten und Patientinnen bodengebunden, wie es in der Fachsprache heißt, aber auch mit dem ADAC-Hubschrauber ("Christoph 31") in die Klinik gebracht. 

Alle Patienten werden durch die interdisziplinäre Zusammenarbeit mit den anderen Fachdisiplinen nach der neuesten S3-Leitlinie der medizinischen Fachgesellschaften sowie dem ATLS-Standard behandelt.

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Das Polytraumamanagement in Berlin-Steglitz

Als Polytrauma wird eine potenziell lebensbedrohliche Mehrfachverletzung bezeichnet, beispielsweise kombinierte schwere Verletzungen von Kopf, Brust-, Bauchraum, Becken und/oder Extremitäten. Dabei können einzelne Verletzungen oder deren Kombination lebensbedrohlich sein. Größtenteils entstehen diese Verletzungen als Unfallfolge im Straßenverkehr. Weitere Unfallursachen sind

  • Sturz aus großer Höhe,
  • Verschüttung,
  • Einklemmung,
  • Explosion oder
  • andere seltenere Ereignisse.

Die Zeit bis zur Durchführung lebensrettender Maßnahmen ist in der Versorgung dieser Notfallpatienten ein besonders entscheidender Faktor. Die lebensrettenden Maßnahmen beruhen auf allgemein etablierten notfallmedizinischen Prinzipien zur Sicherung der Vitalfunktionen Atmung und Kreislauf, die der Notarzt bereits direkt am Unfallort einleitet.

Manche Verletzungen, etwa Zerreißungen der Hauptschlagader oder schwerste Schädel-Hirn-Verletzungen, führen unmittelbar am Unfallort zum Tod. Schwerstverletzte, die das Unfallereignis jedoch zunächst überlebt haben, können bereits in der Akutphase bei Klinikaufnahme im Rahmen der Schockraumversorgung durch geeignete Notfalleingriffe und damit innerhalb der "golden hour of shock" gerettet werden. Unter Berücksichtigung des entscheidenden Faktors Zeit sind in der Schockraumversorgung dabei die Prioritäten die sofortige Erkennung und Behandlung von lebensbedrohlichen Verletzungen oder Zuständen ("Treat first what kills first.").

Dabei liegt das Hauptaugenmerk auf:

  • der Sicherung des Atemwegs und der (Be-)Atmung
  • der Kontrolle von akuten kreislaufwirksamen Blutungen
  • der sofortigen Entlastung von akuten Blutungen und Schwellungen des Gehirns
  • der schnellen Stabilisierung des Verunfallten für dringliche Operationen

Grundlage des Managements im Schockraum ist ein Behandlungsplan, der nach Prioritäten und Phasen strukturiert ist. Dieser Plan verknüpft stets Diagnostik, Therapie und Evaluation des oder der Verunfallten und verbindet damit das Konzept des Advanced Trauma Life Support (ATLS) mit den diagnostischen Möglichkeiten der Mehrschicht-Spiral-Computertomografie (MSCT). Alle relevanten Verletzungen können so schnell und zuverlässig diagnostiziert werden – die Einleitung lebensrettender therapeutischer Maßnahmen erfolgt gegebenenfalls noch während der andauernden bildgebenden Diagnostik.

Das Traumanetzwerk der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie

Die Schwerverletztenversorgung ist in Deutschland seit Jahrzehnten von hoher Qualität. Zur weiteren Verbesserung hat sich die (Deutsche Gesellschaft für Unfallchirurgie e.V. (DGU) die Schaffung eines bundesweiten Netzwerkes zum Ziel gesetzt. Dieses erfasst die Versorgungsqualitäten der einzelnen Kliniken und ermöglicht eine optimale Nutzung der Ressourcen. Etwaige regionale Defizite in der Versorgungsqualität sollen erkannt und behoben werden, sodass jedem Patienten unabhängig von Unfallort und Unfallzeit die bestmögliche Therapie zuteil wird.

Das Traumanetzwerk der DGU setzt sich aus zahlreichen regionalen Netzwerken zusammen. Im Einzugsgebiet der Klinik für Unfall- und Wiederherstellungschirurgie in Berlin-Steglitz, zu dem sowohl der städtische Ballungsraum als auch dünn besiedelte ländliche Regionen gehören, kommt dem Netzwerkgedanken große Bedeutung zu: Gemeinsam mit Partnerkliniken arbeitet das Team derzeit intensiv an der Entstehung des Traumanetzwerkes Berlin-Brandenburg.

Entscheidend für die stetige Verbesserung der Versorgungsqualität ist auch die Qualitätssicherung im Rahmen des Traumaregisters der DGU, an welcher die Steglitzer Klinik seit Jahren teilnimmt. Die Datenbank, die seit 1993 besteht, umfasste Ende 2007 über 35.000 Patientinnen und Patienten aus 145 Kliniken aus Deutschland und dem europäischen Ausland (Quelle: Jahresbericht 2008). Zusätzlich führt die Klinik für Unfall- und Wiederherstellungschirurgie eigene experimentelle und klinische Studien zur Schwerverletztenversorgung durch, deren Ergebnisse für die tägliche Arbeit genutzt werden.