Unfallchirurgie Charité Berlin-Steglitz: Das Bild zeigt ein Baby auf einer Unterlage, das untersucht wird, sowie Hände der es untersuchenden und betreuenden Personen.

Angeborene Fehlbildungen

Häufig sind angeborene Fehlbildungen der Hände nur ein Teil einer Erkrankung oder eines Syndroms.

Ein frühzeitiges Beratungsgespräch ist sinnvoll, um die Folgen der Erkrankung für die weitere Entwicklung des Kindes sowie den geeigneten Zeitpunkt für die meist erforderliche Operation zu besprechen.

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Behandlung angeborener Fehlbildungen

Nicht alle angeborenen Handfehlbildungen bedürfen einer operativen Behandlung: Einige können mit gutem Erfolg auch konservativ behandelt werden.

Die meisten bedürfen jedoch des operativen Vorgehens, wobei sich oftmals eine weitgehend normale Hand beziehungsweise zumindest ein funktioneller Gewinn erzielen lässt. Der operative Aufwand ist dabei sehr unterschiedlich, und damit auch die Dauer der Operation und der Nachbehandlung.

In jedem Fall muss die Nachbehandlung ernst genommen und konsequent durchgeführt werden, um Gewebeverklebungen und bleibende Bewegungseinschränkungen zu verhindern.

Neben der Vorstellung beim Handchirurgen ist die Vorstellung der Familie bei einem Humangenetiker sinnvoll, um sich zu erkundigen, ob für ein weiteres Kind oder Enkelkind ein Wiederholungsrisiko besteht.

Pollex flexus congenitus

Beim Pollex flexus congenitus ist es den Kindern unmöglich, den Daumen komplett zu strecken. Ursache ist ein zu enges Ringband am Daumengrundgelenk, welches das Gleiten der langen Daumenbeugesehne behindert. Oft lässt sich eine knotenartige Verdickung der langen Daumenbeugesehne am Grundgelenk tasten.

Diese Erkrankung ist meist unauffällig und kann von den Eltern lange übersehen werden. Die Ringbandspaltung stellt die Beweglichkeit des Daumens dauerhaft vollständig wieder her.

Syndaktylie

Am häufigsten treten verwachsene Finger (Syndaktylie) auf, wobei zwei oder mehrere Finger eher locker – häutig – oder aber in unterschiedlichem Ausmaß knöchern miteinander verwachsen sein können. Bei den betroffenen Kindern ist die Fingertrennung im Laufe der embryonalen Entwicklung ausgeblieben. In diesen Fällen ist eine zeitgerechte operative Korrektur wichtig, um die Ausbildung der Greifmuster der Hand nicht zu versäumen.

Die Verwachsung der Finger kann mit einer Kurzfingrigkeit kombiniert sein. In der Fachsprache ist dann von einer "Symbrachydaktylie" die Rede. Im Extremfall sind nur Fingerknospen angelegt. In solchen Fällen kann die Greiffunktion je nach Ausgangsbefund durch geeignete Maßnahmen verbessert werden, ohne dass jedoch eine ganz normale Greiffunktion erreicht werden kann.

Doppeldaumen

Beim Doppeldaumen ist, wie der Name bereits sagt, der Daumen doppelt angelegt. Die "Doppelung" kann lediglich das Endglied, aber auch den ganzen Daumenstrahl betreffen. Die beiden Daumen können gleich groß sein, was eher selten der Fall ist. Meistens ist der speichenseitige Daumen kleiner.

In der Regel wird der kleinere überzählige Daumen abgesetzt, wobei der verbleibende Daumen bezüglich Beweglichkeit, Sensibilität und Stabilität nicht kompromittiert werden darf.

Klinodaktylie

Die Klinodaktylie betrifft meist nur den Kleinfinger. Das Endglied ist dabei vermehrt in Richtung Daumen gekrümmt. Ursache ist ein asymetrisches Wachstum des Mittelgliedes. In der Regel wird mehr die Ästhetik als die Funktion gestört.

Durch eine Korrekturosteotomie des Mittelgliedes kann diese Deformität behandelt werden.

Kamptodaktylie

Bei der Kamptodaktylie besteht eine übermäßige Beugestellung eines Fingers, meistens des Kleinfingers, im Mittelgelenk, die auch passiv nicht immer ausgeglichen werden kann. Die Beugestellung kann leicht (10 Grad), aber auch deutlich ausgeprägt (90 Grad) sein.

Bei leichteren Formen wird primär konservativ mit sogenannten Quengelschienen behandelt, bei ausgeprägten Beugekontrakturen operativ.