Alte Beugesehnenverletzungen der Finger

Bei veralteten Verletzungen mit intakter oberflächlicher Beugesehne wird meist auf eine Wiederherstellung der tiefen Beugesehne verzichtet. Ein Sehnendefekt kann durch Einsetzen eines Sehnenstückes (Sehnentransplantation), das am Unterarm (Sehne des Musculus palmaris longus) oder am Unterschenkel (Sehne des Musculus plantaris) entnommen wird, überbrückt werden. Vorraussetzung ist eine reizlose Wundsituation mit intaktem Sehnengleitkanal. Dies ist selten der Fall.

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Bei unmittelbarer Zerstörung der Sehnenscheiden und ausgedehnten Gewebeverlusten ist die Wiederherstellung nur über einen zweizeitigen Sehnenersatz möglich. Dazu wird in einer ersten Operation im Verlauf der zerstörten Sehne ein Silikonstab eingelegt. Um diesen Stab bildet sich im Verlauf von etwa 8 Wochen ein Gleitkanal, der in seiner Feinstruktur sehr der ursprünglichen Sehnenscheide ähnelt. In einer zweiten Operation wird der Silikonstab entfernt und ein Stück Sehne, das an anderer Stelle entnommen wird, als neue Beugesehne eingesetzt. Ersetzt wird dabei, im Gegensatz zur frischen Verletzung, nur die tiefe Beugesehne.

Verletzte Beugesehnen neigen dazu, im Rahmen der Heilung mit dem umgebenden Gewebe zu verwachsen, was zu Bewegungseinschränkungen führt. Dies kann durch eine frühzeitig einsetzende Bewegungstherapie verhindert bzw. verringert werden. Andererseits muss die Sehnennaht vor einer zu starken Belastung geschützt werden, um zu verhindern, dass sie reißt. Das erfordert die sorgfältige krankengymnastische Anleitung und disziplinierte Mitarbeit des Patienten. Ohne Motivation und selbständiges Üben sind kaum gute Ergebnisse zu erzielen. Je nach Gegebenheiten werden in der Regel zwei Konzepte angewandt.

1. Konzept der passiven Beugung und aktiven Streckung

Bei diesem Verfahren wird eine Bewegung der Sehnen dadurch erreicht, dass der Patient die Finger selbst aktiv streckt. Entspannt der Patient die Finger, werden diese durch Gummizügel oder Federn gebeugt, die an den Fingernägeln befestigt sind. Dadurch entsteht an den Beugesehnen kein Zug. Der Patient wird dazu mit einer speziellen Schiene ( Kleinertschiene) versorgt, die das Handgelenk und die Fingergrundgelenke in Beugestellung hält und an der die Gummizügel und ihre Führung befestigt sind.

2. Konzept der aktiven Beugung und Streckung

Bei manchen Beugesehnendurchtrennungen kann durch spezielle Nahttechniken eine so kräftige Zugfestigkeit der Sehnennaht erreicht werden, dass ein frühzeitiges aktives Strecken und Beugen des betroffenen Fingers möglich ist, ohne erhöhte Gefahr einer erneuten Ruptur der Sehne. Auch hierbei wird der Patient zur Entlastung der Sehne mit einer Schiene versorgt. In dieser Schiene sind Beugung und Streckung durch den Patienten ausschließlich ohne Widerstand erlaubt.